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Aber wieso sollte die zeitliche Codierung räumlicher Information etwas für an dere Bereiche bringen? Nun, der Abziehbildsignalfluss tritt ja überall dort auf, wo Und- Verbindungen vorliegen. In diesen Bereichen fließt das Signal nach dem Schema des Abziehbildes ab. Natürlich kann so etwas auch in anderen Gehirnbereichen vorkommen, denn der Tastm Hör und Geschmackssinn werden auch auf Projektions- felder im Gehirn übertragen und liefert daher auch ein Reaktionsbild, auf dem eben- falls Und-Verbindungen entstehen werden. Das Modell führt aber nicht überall zu einer Zeitcodierung, sondern nur dort, wo eine andere Vorankündigung der Reize ausbleibt. Gibt es eine allgemeine Definition, wann Zeitcodierung Sinn macht, und w as sie bringt? Ich würde sagen, zeitliche Codierung macht es möglich Reize in Rel ation zueinander zu erfassen, unabhängig von der räumlichen Relation, in der sie zu uns als Betrachter stehen. Da sich die räumliche Position des Betrachters ständigändert, zum Wiedererkennen von Dingen jedoch konstante Daten erforderlich sind, ist die Zeitcodierung räumlicher Information oft der einzige Weg, um überh aupt etwasWie- dererkennen zu können. Da auch taktile Informationen räumlicher Natur sind, werden sie wohl auch zeitcodiert werden, wenn sie dem Wiedererkennen von Objekt endie- nen sollen. Bemerkenswert ist, dass umgekehrt die zeitliche Information des auditiven Systems räumlich codiert wird. Zeitliche Ereignisse werden durch bestimmte Ne uronen im Netz repräsentiert, erhalten also eine klare räumliche Zuordenbarkeit. Sie können dadurch zeitunabhängig (also zu einem beliebigen Zeitpunkt) wiedererkannt werden. Wir können also sagen: Zeitcodierung macht räumliche Information raumu nabhängig wiedererkennbar, räumliche Codierung macht zeitliche Information zeitunabhängig wiedererkennbar. Eigentlich ist es ein Widerspruch in sich, zeitliche Information zeitunabhängig abzu - speichern. Die Information besteht ja darin, dass etwas zu einem bestimmten Zeit- punkt stattfindet. Aber wäre eine Information durch ihren Zeitpunkt als etwas einzig- artiges gekennzeichnet, so gäbe es kein Wiedererkennen. Deshalb setzt unser Ge- hirn den Zeitpunkt nicht fix fest, sondern in Relation zu den benachbart enZeitpunk- ten. Es erhält dadurch Maße, die in der Welt immer wieder vorkomme n.Wir finden also die erhaltenen Zeitrelationen in der Welt öfter als das eine mal. Einen fixen Zeitpunkt hingegen gibt es nur einmal. Er kann also gar nicht wieder auftreten, also auch nicht wiedererkannt werden. Wiedererkennen basiert also auf zeitunabhängi- ger, also relationaler Zeiterfassung und raumunabhängiger, also relationaler Raumerfassung. Wenn wir bedenken, dass bereits eine Signalstärke, also eine zeitliche Signaldichte, eine zeitliche Information ist, und eine Zelle, die nur auf diese bestimmte Signalstär- ke anspricht, bereits eine räumliche Codierung dieser Information dar stellt, so wer- den wir entdecken, dass die Verarbeitung im Gehirn regelrecht auf dem Prinzip be- ruht, ständig zeitliches räumlich zu codieren und wieder retour. E s ist alsodurchaus davon auszugehen, dass ein Modell, das die zeitliche Codierung räumlicher Informa- tion beinhaltet, auch für andere Sinnesdaten gilt, nicht nur für v isuelle.
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