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Wie die Welt in den Kopf kommt

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Abfolgen: Eine noch wesentlich größere Erhöhung entstünde dann, wenn das Netz-
werk nicht nur auf differenzierbare Reize, sondern auf bestimmte Reizfolgen   reagie-
ren  können  soll.  Es  handelt  sich  dann  um  ein  Dynamisches  Bayessches  Netz
(Brandherm  2000)  Also  auf  Rotlicht    Glocke,  nicht  aber  auf  Glocke    Rotlicht.
Bleiben  wir  bei  den  10  Neuronen,  und  den  zigtausend  möglichen  Bildern,  so  kann
sich davon jedes mit beliebig vielen weiteren zu einer Filmsequenz verbinden.  Neh-
men wir an, wir merken uns nur Sequenzen aus 1 bis 3 Bildern:  
Anzahl verschiedener Bilder Zweierkombinationen Dreierkombinationen                                     43930
43930*43929= 1929800970
43930*43929*43928= 84772297010160 Summe 84774226855060 Es  gibt  also  Milliarden  verschiedener  Reizkombinationen,  bei  nur  drei  aufeinande r-
folgenden Reizen von nur 10 binär reagierenden Neuronen! Drei aufeinanderfolgen-
de Reize sind wie ein Film aus drei Bildern. Geschichten kann man sich damit noch
nicht merken. Und auch 10 Neuronen zur Bildauflösung sind nicht genug ! Ein Auge
liefert  bereits  1,5  Millionen  Bildpunkte,  und  zwar  nicht  binär,  sonde rn  in  sehr  fein
unterscheidbaren  Intensitätsstufen.  Dann  sind  da  die  Projektionsfelde r  des  Körper-
empfindens, des Hörens und des Riechens. Mir ist erzählt worden, dass würden wir
mit all diesen Neuronen alle kombinatorischen Möglichkeiten durchspielen, eine Zahl
an Kombinationsmöglichkeiten entstünde, die über der Zahl der Quanten des Univer-
sums liege. Ich bin kein Mathematiker, aber es genügt mir zu wissen, dass die Zahl
an Verbindungsmöglichkeiten größer ist, als die Zahl an Verbind ungen,die im Gehirn
vorveranlagt ist.  
Das  Gehirn  kann  also  nicht  alle  eventuell  einmal  benötigten  Verbindungen  bereits
veranlagt haben, und bei Bedarf verstärken. Auch anatomisch ist ersichtlich, da ss im
Gehirn nicht jedes Neuron mit jedem Kontakt hat. Das Gehirn braucht also die Fähig-
keit Verbindungen erst herzustellen, wenn sie benötigt werden, und es  braucht Stra-
tegien um Daten zu komprimieren und selektieren.   
Mit  der  Neuronenanzahl  nehmen  die  kombinatorischen  Möglichkeiten  unverhält nis-
mäßig stark zu. Da dynamische Bayessche Netze alle Verbindungen durchrechnen,
sind auch mit heutigen Großrechnern nur Bayes-Netze mit wenigen hundert Ne uro-
nen  denkbar  (Brandherm  2000).  Bayesianische  Netze  können  also,  aufgrund  eines
kombinatorischen  Kollaps,  nicht  erklären,  wie  das  Gehirn  die  Reize  der  einzelnen
Sinnesrezeptoren zu Begriffen verbindet. Es ist nicht vorstellbar solche Netze für die
Verbindung  der  unzähligen  einzelnen  Sinnesrezeptoren  einzusetzen,  sondern  man
beschränkt sich auf fertige Begriffe, wie bei Pawlow die Glocke und das Futter. In der
Psychologie  versucht  man  umgekehrt  die  assoziative  Vernetzung  von  Begriffen  in
Lernexperimenten zu erforschen, und in propositionalen (begrifflichen) Netzen aufzu-
zeichnen (Anderson 1996, S. 147f).  
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Lernen: Gehirnforschung und die Schule des Lebens
Siehe auch:
Erfolgreich lernen in Kindergarten und Schule
Wie Kinder denken lernen: Diese Sonderausgabe...
Vorsicht Bildschirm!: Elektronische Medien, G...
Lernen und Gehirn: Der Weg zu einer neuen Pädago...
Neurodidaktik: Grundlagen und Vorschläge für...
Medizin für die Bildung: Ein Weg aus der Krise
 
   
 
     
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