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tung zur Kritik d.r. Vernunft mit dem Titel Von dem Unterschiede der reinen und empirischen Erkenntnis. Er schreibt Wenngleich alle unsere Erken ntnis mitder Erfahrung anfängt, so entspringt sie darum doch nicht eben alle aus der Erfahrung. Kant hat erkannt, dass ein System dahinter liegen muss, das Erfahrung ermöglicht. Wir würden heute sagen, das System dahinter ist das Gehirn, und dieses ist aus der phylogenetischen Erfahrung entsprungen, also aus der Evolution. Es muss aber nach Kant noch fast ein Jahrhundert vergehen, bis dies denkbar wird, denn erst 1874 veröffentlicht Darwin Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl (Störig 1990, S.483). Kant vermutet also etwas anderes hinter dem System der Erfahrung . Er sieht dort ein reines System der Vernunft, das nicht bloß statistischer Natur ist, sondern durch Logik echte, wahre und nicht bloß wahrscheinliche Erkenntnisse ermöglicht. Meiner persönlichen Ansicht nach ist dieses Projekt gescheitert. Logik schei nt nur derWis- sensübertragung zu dienen, nicht jedoch dazu neues Wissen zu erzeugen. Wenn nur Männer Bärte haben, und Lilli hat einen Bart, dann geht logisch hervor: Lilli ist ein Mann. Wenn aber die empirische Erkenntnis, dass nur Männer Bärte haben falsch ist, dann haben wir den Fehler mittles der Logik auch auf Lilli übert ragen. Logik schützt also auch nicht vor Fehlurteilen. Mathematik ist ein Abkömmling der Logik, und dient daher ebenfalls auch nur der Wissensübertragung. Vor und hinter dem Istgleichzeichen steht also immer dasselbe. Wenngleich es eine bittere Erkenntnis sein mag, dass es nichts gibt, worüber wir absolute Gewissheit haben könnten, so zeigt die Wahrscheinlichkeitsrechnung doch, dass die Naturwissenschaft Erkenntnisse hervorbringen kann, die nicht anzuzweifeln sind. Rupert Riedl schreibt zur Wahrscheinlichkeit in biologischen Unter suchungen:
Die Zufallswahrscheinlichkeit, dass zehn Münzen auch bei zehn Würfen den Adler zeig- ten, wäre (1/2) hoch 100, also eine Zahl hinter 31 Nullen; eine Unmöglichkeit für den Zu- fall. Genauso operiert das Empfinden des Morphologen. Als Simultan-Ereignisse gelten ihm die vergleichbaren Lage- und Strukturmerkmale eines Homologons (z.B.ein Ske- lett)
Als Sukzedan-Ereignisse gilt ihm die Anzahl der darin repräsentativ vergleichba- ren Arten. Räumt man jedem Homologon auch nur eine einzige Alternative ein, dann betrüge die Zufallswahrscheinlichkeit eines Organs, das wie der zweite Halswirbel auch nur in zehn Homologa auch nur in zehn Arten untersucht wäre nur mehr einQuintilli- onstel, in dreißig Arten erhalten wir eine Zahl hinter mehr als 100 Nullen. Dererlei auch nur einmal durch den Zufall zu erwürfeln verlangt mehr Experimente als Quanten in die- sem Kosmos existieren. (Riedl 1989, S.182). Deshalb ist anzunehmen, dass die Arten voneinander abstammen.
Kant war kein Naturwissenschafter wie Riedl. Sein Mittel der Analyse war nicht die Beobachtung sondern die Sprache. Er untersuchte den Erkenntniserwerb durch logisches Argumentieren. Heute erwarten wir uns auf die Frage nach dem Erkennt- niserwerb eine funktional-technische Beschreibung des Gehirns, so wie es diese Arbeit ist. Funktionelle Dinge entspringen nicht dem sprachlichen, sondern dem visuellen Verstand. Wenn ich über ein erkenntnistheoretisches Problem nachdenke, sehe in Gedanken Signale fließen, aufeinanderstoßen und miteinande rreagieren. Auch der visuelle Verstand hat eine Logik. So kann ich zum Beispiel argumentieren,
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